DIW-Studie zu Alleinunternehmern: Vielen fehlt das Geld

DIW-Studie zu Alleinunternehmern

Freiberufler sind unabhängig von fordernden Chefs und festen Arbeitszeiten, wann immer die Sonne lockt, kann draußen gearbeitet werden, wer keine Lust auf Arbeit hat, verschiebt die Arbeit auf den nächsten Tag. So das Ideal. Doch oftmals ist diese Freiheit teuer erkauft, wie nun eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt.

Es gibt immer mehr Selbstständige, die als Alleinunternehmer, also ohne Angestellte, arbeiten. Deren Zahl stieg in den Jahren 2000 bis 2011 um 800.000 Menschen an, derzeit arbeiten 2,6 Millionen Deutsche als Solo-Unternehmer. Die Autoren der Studie machen verschiedene Faktoren für die zunehmende Zahl von Alleinunternehmern verantwortlich. So lagern viele Unternehmen Tätigkeiten an Subunternehmer oder Selbstständige aus, zudem hätten viele aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus – etwa nach dem Verlust des Arbeitsplatzes – den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Auch die starke staatliche Förderung der Selbstständigkeit spielt hier eine wichtige Rolle. In den Jahren 2003 – 2006 wurde der Einstieg in die Existenz mit der „Ich-AG“ gefördert, anschließend kam der Gründungszuschuss, daneben können Gründer zahlreiche weitere finanzielle Mittel in Anspruch nehmen, etwa das KfW-Startgeld oder den Unternehmerkredit. Doch diese finanziellen Anreize könnten den Erfolg augenscheinlich nicht garantieren. Fünf Jahre nach der Gründung beschäftigen nur zehn Prozent weitere Mitarbeiter, viele suchen sich wieder eine abhängige Beschäftigung, wohl auch, weil diese besser bezahlt ist. Im Durchschnitt verdienen Alleinunternehmer 12,70 in der Stunde, deutlich weniger als Angestellte. Manche fallen gar unter die offizielle Armutsgrenze, immer mehr Selbstständige müssen ihren Verdienst mit Hartz IV aufstocken.

Einkommensituation von Alleinunternehmern meist schlecht

Zudem bietet eine Beschäftigung als fest eingestellter Arbeitnehmer soziale Absicherung, auch im Krankheitsfall, während viele Selbstständige nur ungenügend für Notfälle oder finanzielle Engpässe abgesichert sind, auch die Altersvorsorge wird zu oft vernachlässigt. Ein weiteres Problem sind die hohen Hürden bei einer Kreditvergabe. Da das Einkommen von Selbstständigen aufgrund wechselnder Auftragslage und Zahlungsverzügen von Kunden starken Schwankungen unterworfen ist, vergeben Banken nur ungern Kredite an Alleinunternehmer. Dabei können neue Geldmittel ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg sein. Investitionen für Werbemaßnahmen, neue Büromöbel oder technische Geräte sind oftmals nur schwer zu leisten. Doch trotz unsicherer Einkommenslage gibt es Banken, die auch Selbstständige mit Geldmitteln ausstatten, wenn detaillierte Informationen zum Einkommen, beispielweise mit Steuerbescheiden oder Einnahmen-Überschuss-Rechnungen zur Verfügung gestellt werden, eine positive Schufa-Auskunft vorliegt und der Geschäftssitz in Deutschland liegt. Bürgen oder Sicherheiten können die Chance weiter erhöhen, auch eine bereits langjährig bestehende Selbstständigkeit spricht aus Sicht der Bank dafür, dass der Kredit zuverlässig bedient werden kann.